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Nr. 206 – 2. 3. 2017

Inhalt:

  1. Neckar – castorfrei
  2. „Freimessung“
  3. LFTR – Neues für Atombomben

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Vorbemerkung: Ich bin weder ein (bezahlter) Atom-„Experte“, wie z.B. die Leute von Herrn Sailer, vom einst renomierten „Öko-Institut“, der heute gestalterische Aufgaben im „Atomstaat“ übernommen hat, noch ein Parteigänger der 6 „grünen“ Umweltminister“ (Schleswig-Holstein, Niedersachsen; NRW, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen – die Bundesländer mit den AKWs !), die den „Atomdeal“ des Staates mit den Energiekonzernen gerade umsetzen dürfen: Dieser bedeutet unterm Strich, Kosten beim Rückbau der AKW (besser Abriss) zu minimieren und die Folgen dem Steuerzahler aufzubürden.

Ich vertraue auch nicht meinem „Bauch-Verstand“ wie dies von „grünen Vertretern in den Umweltministerien immer wieder denunziatorisch (postfaktisch) schlecht geredet wird. Ich war „einfacher“ Ingenieur und habe mal ein paar „Fakts“ (nicht Fakes) zusammengestellt.

Das „Freimessen“ von radioaktiv strahlendem Schutt & Schrott aus dem Rückbau wird „legitimiert“ durch das sog. „10MikroSievert“-Verfahren. Während die „de minimis“-Regel aufgibt, so wenig wie möglich schädliche Stoffe in die Umwelt zu entlassen und der natürlichen Strahlung hinzuzufügen, schafft es dieses "Schutzziel", real existierende Radioaktivität im juristischen Sinne als vernachlässigbar erklären zu können. Das (schein-)wissenschaftliche Verfahren sagt schlicht aus, alles unter „10Mikrosievert“ ist gesundheitlich unbedenklich ...Punkt !

Daraus ergibt sich, dass über 95% des Rückbau-Mülls offen gelagert und in den Verwertungsprozess (z.B. beim Straßenbau) wieder verwendet werden darf - ein echter Zaubertrick !

Radioaktive Strahlung misst man mit einem Zählrohr (früher „Geiger-Zähler“ genannt). Jeder Klick ein Treffer – die Einheit für die ausgesendete Strahlung ist „Bequerel“– genau das wird angezeigt, wie Lampenlicht in „Lumen“ - bist Du weiter weg, gibt’s weniger Klicks – ganz einfach.

Nun haben moderne Geräte aber keine „Bequerel“-Skala, sondern es wird Strahlung in einem Exponenten von „Sievert“ abgelesen. Das ist eine vom Menschen aufgenommene Strahlendosis – also was ganz anderes. Wieder im Vergleich zum „Lumen“ - wieviel (z.B. ultraviolette) Strahlung verträgt der Körper...

Dazu wird in heutigen Geräte ein wenig herum gerechnet nach dahinter liegenden Formeln und Algorithmen, die (und das ist natürlich gewollt) kein Mensch verstehen kann und bereits im Ansatz jede Art der Manipulation Tür und Tor eröffnen.

  1. die Art der Strahlung: Nach Meinung eines Experten vom oben erwähnten „Öko-Institut“ (im AKW Lubmin „erprobt“) wird nur Gammastrahlung herangezogen. Alpha- und Beta-Zerfall bleiben ebenso unberücksichtigt wie die extrem gefährliche Neutronen-Strahlung.
  2. wird ein „Referenz“-Nuklid (und dessen "Vektor") zugrunde gelegt, von dem man annimmt (!), dass es für den Gesamtstrahlungseintrag repräsentativ ist - rechnerischer Zaubertrick pur.
  3. wird auf statistische Untersuchungen am Menschen (!) nach den Atombomben-Abwürfen von Hiroshima und Nagasaki und solchen an den Bewohnern pazifischer Testgelände der USA zugegriffen, um die Krebshäufigkeit zu ermitteln und daraus Standarts abzuleiten.
  4. Der Standard wir dann bezogen auf einen gesunden, 24-jährigen Mann ! Frauen, Kinder, Alte, Schwache, Kranke spiele keine Rolle, ebenso wenig wie die Einwirkung anderer Einflußgrößen (natürliche Strahlung, Belastungen, Gifte) aus der Umwelt.
  5. Heraus kommt dabei, wer gleich stirbt, bald danach und mittel- oder langfristig erkrankt (z.B. Schilddrüsenkrebs oder Leukämie) zu erwarten hat ... oder unbedenklich bestrahlt werden kann (Röntgen-Untersuchungen etc.). Untersuchungen über die Wirkungen von sog. Niedrig-Strahlung in der Umgebung von Atomkaftwerken, die es mehrfach gibt, finden bei der Anwendung des „erprobten“ Verfahrens natürlich keine Anwendung.
  6. Die Maßeinheit für die Aufnahme von Strahlung durch den Menschen (Dosis) ist dann das „Sievert“; der Grenzwert „10MikroSievert/Jahr“ ist geboren, wobei das Thema der Aufsummierung ungeklärt bleibt. Kann ich tatsächlich permanent ein Jahr lang 10MikroSieverts (Anzeigewert) oder eher täglich 10/365tel davon aufnehmen oder wie funktioniert das bei den Dosimetern bei den mit dem Rückbau Beschäftigte im AKW, die irgendwann sagen „Schluss“... über die Dauer der Exposition erfährt man in der „Freimess“-Diskussion leider überhaupt nichts !

Diese „Ableitung“ wird natürlich weder von Betreibern noch ihren Politikern auch nur erwähnt. Wir haben einen „wissenschaftlich festgelegten“ Grenzwert, wir haben als Leumund das „Öko-Institut“ und alles andere ist „postfaktisch“ !

Ich will nun zu den Punkten nicht im Einzelnen argumentieren – mit exakter Wissenschaft hat das allerdings wenig zu tun, eher mit Gefälligkeit den AKW-Betreibern gegenüber, um die Gefahren des Rückbaus zu verschleiern und deren Kosten zu minimieren ...

Jetzt kommen wir zu Anwendung des Verfahrens, wie es uns der Kraftwerkleiter im AKW Biblis an der „Freimessanlage“ vorgeführt hat:
Gitterbox mit Schrott und/oder Müll rein in die „Black Box“, warten bis grünes Licht aufleuchtet und alles ist gut ( ...und natürlich wird ein Sack mit Mineraldünger abgewiesen, was ebenso manipulativ ist wie das ganze Verfahren) !

  1. welche Aussagekraft hat dieser Vorgang für große Mengen zerlegten Stahls und vor allem von tausenden Tonnen Bauschutts aus dem Reaktorbehälter.
  2. Wie können die Chargen so gemischt oder sortiert werden, wo doch nur oberflächlich gemessen werden kann ? Bei jeder Ziehung wird im Gemenge herumgewühlt (z.B. bei Auswahl vom „dollen Dorf“).
  3. Wie wird generell protokolliert – etwa so, wie wir es aus Philippsburg und Biblis bei der Überprüfung vom Messgeräten erleben durften.
  4. Wer führt die Aufsicht ? In Biblis wurde diese vom Umweltministerium an den TÜV Süd delegiert (natürlich stichprobenartig). Diese Organisation hat die personelle Verquickung mit der Industrie schön öfter nachgewiesen bekommen.
  5. ... und der Sack „Mineraldünger“ oder der böse Granitbrocken vom Felsenmeer? Wir sollten besser darüber diskutieren, ob ersteres sein muss oder ob nicht auch hier nicht-strahlende Stoffe finden sollten, statt zu den natürlichen Strahlern noch mit Kunstdünger nachzuhelfen – übrigens ein anderes interessantes Thema ...

Auf den Mülldeponien der Kreise geht das Thema dann weiter:

  • großflächige Verteilung zur weiteren Senkung des Messwertes
  • mangelnde Abdeckung mit Staubentwicklung bei Eintrag & Wiederverwendung
  • gar keine oder unzureichende Protokollierung der Einträge

Das ist mal jetzt mein „erster Blick“ auf das Thema und ich fände es nützlich, wenn dieser Artikel ein wenig „ausgebaut“ würde – von Leuten, die ein wenig mehr Ahnung von der Materie haben als ich ... nicht, um ein monströses Expertengebilde zu schaffen, sondern um dem dummen Gerede der Polit-“Experten“ mehr Verständliches entgegenzusetzen.

Der BUND hat dieser Praxis entschieden wiedersprochen und zumindest gefordert, dass der Grenzwert auf ein Zehntel (also 1MikroSievert/Jahr) reduziert werden müsse !

www.youtube.com/watch?v=U1AV-BrvAHo

der BUND sagt klipp & klar NEIN zu diesem Verfahren:

www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/atomkraft/atomkraft_radioaktive_stoffe_freigabe.pdf#page=1&zoom=auto,-178,848

und stellt Forderungzum „Strahlenschutzgesetz“:

Neues Strahlenschutzgesetz muss Dosisgrenzwerte auf ein Zehntel senken.
Gering radioaktives Material aus AKW-Rückbau nicht länger freigeben.

Bei der heutigen Anhörung zum Entwurf eines neuen Strahlenschutzgesetzes im Bundesumweltministerium hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Nachbesserungen gefordert. "Der Gesundheitsschutz muss Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben. Ein Strahlenschutzgesetz, das seinen Namen verdient, hat sich daran auszurichten", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. "Es ist inakzeptabel, dass dieses ein Gesetz den Gesundheitsschutz gegenüber wirtschaftlichen Interessen abwägen will. Es gibt nichts Wichtigeres, als die Bevölkerung vor Strahlenrisiken zu schützen, das darf auf keinen Fall relativiert werden", so Weiger.

www.finanznachrichten.de/nachrichten-2016-11/39064494-neues-strahlenschutzgesetz-muss-dosisgrenzwerte-auf-ein-zehntel-senken-gering-radioaktives-material-aus-akw-rueckbau-nicht-laenger-freigeben-007.htm

Bis zu 1.000-fach höheres Strahlenrisiko bei der Freigabe von Atommüll aus dem Abriss von Atomkraftwerken - von Werner Neumann (BUND-Experte):

pdfhttp://www.strahlentelex.de/Stx_14_662-663_S01-08.pdf

Zur Erinnerung hier nochmal die Stellungnahme der Ärztekammer BaWÜ:

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg warnt vor der Verharmlosung möglicher Strahlenschäden durch die geplante Verteilung von gering radioaktivem AKW-Rest-Müll aus den Kernkraftwerken Neckarwestheim, Obrigheim und Philippsburg sowie den Karlsruher Atomanlagen auf die Mülldeponien der Landkreise Ludwigsburg und Neckar-Odenwald sowie der Stadt Heilbronn und vermutlich weiterer Deponien sowie durch die Freigabe und Herausgabe des Restmülls in die allgemeine Wiederverwertung und fordert die Landesregierung auf, sich für eine Verwahrung auch des gering strahlenden Mülls auf den Kraftwerksgeländen einzusetzen, bis definitive und gesundheitlich zu verantwortende Lösungen der Endlagerung gefunden sind.

www.aerztekammer-bw.de/10aerzte/05kammern/10laekbw/20ehrenamt/16entschliessungen/20161126/522.html

und die AntiAtomInitiativen in der Region machen mobil:

Buchener Bürgerinitiative wird gegen Betonmüll aus AKW Obrigheim aktiv

Während sich im Buchener Gemeinderat Bürgermeister Roland Burger an Recht und Gesetz gebunden sieht, will die Bürgerinitiative gegen Müllgeschäfte (BIGMÜG) gegen die Einlagerung von rund 3000 Tonnen freigemessenen Betonmüll aus dem ehemaligen Atomkraftwerk Obrigheim auf der Buchener Kreismülldeponie Sansenhecken protestieren, weil nach ihrer Auffassung auch gering strahlender Müll zu gesundheitlichen Gefährdungen führen kann.

www.rnz.de/nachrichten/buchen_artikel,-Buchener-Buergerinitiative-wird-gegen-Betonmuell-aus-AKW-Obrigheim-aktiv-_arid,245787.html

„Es gibt keine Strahlendosis ohne Risiko“

Wie schädlich ist zusätzliche radioaktive Strahlung für den Menschen, auch wenn diese sehr gering ist? Dieser Frage widmete sich am Donnerstagabend der Internist Dr. Dierk-Christian Vogt auf Einladung der "Bürgerinitiative gegen Müllgeschäfte" (BIGMUEG) im Hotel "Prinz Carl". Rund 40 Zuhörer nahmen die Erkenntnis mit, dass es sich bei einer Strahlenbelastung in Höhe von 10 Mikrosievert im Jahr keineswegs um eine Bagatelle handeln muss.

www.rnz.de/nachrichten/buchen_artikel,-BuchenObrigheim-Es-gibt-keine-Strahlendosis-ohne-Risiko-_arid,254377.html

Vaihingen will kein AKW-Abbruchmaterial auf der Deponie

Jetzt ist es offiziell vom Vaihinger Gemeinderat beschlossen: Die Stadt lehnt die Deponierung von „freigemessenen“ Abbruchmaterialien aus Kernkraftwerken auf der Deponie Burghof zwischen Horrheim und Gündelbach ab. Der Landkreis und das Land werden aufgefordert, andere Entsorgungswege zu wählen.

www.lkz.de/lokales/stadt-kreis-ludwigsburg_artikel,-Vaihingen-will-kein-AKW-Abbruchmaterial-auf-der-Deponie-_arid,406474.html

... und bald auch bei uns an der Bergstraße ... !

und die „Grünen“ unter Kretschmann machen den Job, für den sie da sind:

Vorwurf: Renkonen verharmlost

Gut ausgeteilt hat der Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen vor zwei Wochen im BZ-Interview. So warf er zwei Bürgerinitiativen aus Horrheim und Schwieberdingen Panikmache vor. Diese wehren sich gegen die Lagerung des freigemessenen Bauschutts aus dem Akw Neckarwestheim in den Deponien vor Ort.

www.swp.de/bietigheim/lokales/bietigheim_bissingen/vorwurf_-renkonen-verharmlost-14454524.html

Die ewige Diskussion um die Kernkraft - Alter Wein in neuen Schläuchen

Obwohl Brutreaktoren bereits in den 1980er Jahren von der Kernindustrie als neue Wundertechnologie dargestellt wurden, ihre sicherheitsrelevanten Herausforderungen dann aber schon damals zu heftigen öffentlichen Diskussionen und nach dem Reaktorunfall bei Tschernobyl 1986 gar zu umfangreichen politischen Protestaktionen führten, werden ihre Advokaten nicht müde, dieser „möglichen mächtigen Zukunftstechnologie“ vier wesentliche Attribute zuzusprechen, die „selbst hartgesottene AKW-Gegner überzeugen könnten“: inhärente Sicherheit, 10.000 mal weniger nuklearer Abfall, geringeres Proliferationsrisiko, tiefere Kosten. Zu schön um wahr zu sein, könnte man meinen.

Nun, das ist es auch. Denn schon zeichnet sich ab, dass keines dieser Attribute in der Realität auch nur annähernd so zutrifft, wie es ihre Advokaten der Öffentlichkeit gerne darstellen.

www.huffingtonpost.de/lars-jaeger/die-ewige-diskussion-um-d_b_12441580.html

Fukushima- Mahnwache

– jeden Montag um 18 Uhr in
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Vier Jahre nach Fukushima:
Japan beschließt Wiedereinstieg in die Atomkraft

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