Auf der letzten Sitzung des sog."Informationsforums für Transparenz & Bürgerbeteiligung" belächelte der RWE-Kraftwerkleiter Kemmeter gelangweilt meine Warnung vor der mangelnden Langzeitsicherheit der Castorbehälter, die nicht gebaut wurden, um 100 Jahre hochradioaktiven Atommüll aufzubewahren, sondern eigentlich nur als Transportbehälter konstruiert wurden, um den strahlenden Abfall der profitablen Atomstrom-Produktion nach Gorleben zu schaffen, um ihn dort so rasch wie möglich zu verbuddeln ...

Es hat nicht ganz geklappt mit dem cDU-Albrecht-Plan ... dann kam der sog."Atomausstieg" von 2002 und jetzt in 2017 das "Endlagersuchgesetz", wonach das Zeug jetzt wohl 100 Jahre in den Castoren in ungeschützten Zwischenlagern vor sich hin strahlen darf.

Das heißt aber, dass z.B. die fortschreitendede Zersetzung der Haltekörbe in den Castoren durch die Neutronenstrahlung einfach langfristig in Kauf genommen wird. Die "grünen" Ministerialen wissen das sehr wohl, denken aber vermutlich, dass sie bis 2046 dann eh längst hinüber sind ...

Angeblich garantieren die Behörden die Sicherheit der Castoren bis 2046 - also 40 Jahre im "Zwischenlager" - ein übler Trick: nicht die Castoren wurden schließlich dabei für 40 Jahre genehmigt, sondern die Zwischenlager, in denen diese stehen - von einer eigentlichen Bauartzulassung von 40 Jahren ist dabei nirgens die Rede - die Frage danach blieben RWE-Vertreter und Ministerial-Beamte alleweil schuldig und verweisen dabei auf Genehmigung des BfS (Bundesamt für Strahlenschutz) - "ein Schelm der böses dabei denkt" !

Ich habe dann nochmal bei der hessischen Genehmigungsbehörde nachgefragt, damit die sich nicht auch weiterhin hinter Regelungen des Bundes verstecken kann , sondern "Transparenz" eben heißt, auch deren Grundlagen hinterfragen zu können (da ist Wikipedia aufschlussreicher!):

An das
Hessische Ministerium für
Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Mainzer Straße 80
65189 Wiesbaden

Heppenheim, den 04.09.2017

betr.: Fragen zur nächsten (?) Sitzung des „Infoforums AKW Biblis“ zum Thema:
„Sicherheit der im Zwischenlager des AKW Biblis eingesetzten Castoren V/19“

Vorbemerkung:
wie allseits bekannt, wurde im Atomkonsens 2002 die Einrichtung von Zwischenlagern an den AKW-Standorten zwischen rot-grüner Bundestregierung und Atomindustrie vereinbart. Die Genehmigung wurde auf 40 Jahre festgelegt, weil man damals annahm, dass bis dahin ein Endlager zur Verfügung steht. Diese Entscheidung ist eine rein politische Festlegung und hat mit einer sachlichen Bewertung nach Kriterien des Strahlenschutzes nichts zu tun. Das BfE (Nachfolger des BfS in dieser Frage) schreibt dazu:
„Die Genehmigungen zur Aufbewahrung wurden bis Ende 2003 erteilt. Nach einer Bauzeit von ca. drei Jahren wurden die Standort-Zwischenlager in den Jahren 2006/2007 in Betrieb genommen. Die genehmigten Laufzeiten betragen ab dem Zeitpunkt der Einlagerung eines ersten Behälters maximal 40 Jahre, da nach Ablauf dieses Zeitraums nach der damaligen Planung der Bundesregierung ein Endlager zur Verfügung stehen sollte.“
www.bfe.bund.de/DE/ne/zwischenlager/dezentral/standorte-belegung/standorte-belegung.html
Castoren als „Typ-B-Verpackungen“ gibt es (zum Transport in die Wiederaufbereitungsanlagen)seit Mitte der 90-Jahre. Von Ihnen wird behauptet, dass sie 40 Jahre „sicher“ seien (sowohl was die Verkehrsicherheit als auch die Strahlensicherheit betrifft. Sie müssen nun aber weit länger in den Standort-Zwischenlagern ()z.B. in Biblis) verbleiben.
Daraus ergeben sich für die vom Strahlenrisiko (in den nächsten 100 Jahren) betroffenen Menschen in der Region folgende Fragen:

1. In welcher Beprüfung oder daraus folgenden Genehmigung steht explizit, dass die Castoren für 40 Jahre strahlungssicher (nicht verkehrssicher) sind ?

2. Wie können die angewendeten Prüfverfahren (mechanisch und thermisch) entsprechende Aussagen zur Sicherheit vor radioaktiven Strahlung über 40 Jahre überhaupt rechtfertigen ?

3. werden die ursprünglichen (teilweise 1995) Genehmigungen durch das BfS der veränderten Lage heute noch gerecht (z.B. 100 Jahre statt 40Jahre) oder wartet man da einfach ab bis 2046 ?

4. Wie wird der Stand von Wissenschaft und Technik heute vom BfS/BfE gesehen ?

5. Wo genau sind bei einer Begutachtung durch das BAM (Bundesamt für Materialforschung und -prüfung) die „40 Jahre Sicherheit“ bei ihrem Gutachten zur Genehmigung durch das BfS erwähnt bzw. beurteilt worden ?

6. Welche Aussagen werden dabei gemacht zum Thema „Neutronenversprödung“ z.B. auf den Tragekorb der Brennelemente (siehe dazu umfängliche Literatur – erwähnt in: umweltfairaendern.de/2017/08/hochradioaktiver-atommuell-wie-lange-haelt-der-castor-dicht-usa-haben-nachgesehen/)

7. Welche Reparaturmöglichkeiten gibt es für die Castoren im Zwischenlager Biblis?

8. Bleiben Sie bei Ihrer Aussage (Frau Petrick), dass keine „heißen Zellen“ im Standort-Zwischenlager gebraucht werden?

Ich bitte Sie um schnelle, schriftliche Beantwortung im Vorfeld des nächsten Forums (und nicht nur als Tischvorlage).

Herr Kemmeter fühlt sich in dieser Frage „auf der sicheren Seite“, weil er ja die Genehmigung in der Tasche hat; anders sieht es auf seiten der Aufsichts- und Genehmigungsbehörde aus: Frau Petrick vom Umweltministerium versteht die Welt nicht mehr, wenn man sie auf den Unterschied einer politischen Festlegung (40 Jahre Zwischenlager) und einer sachlichen Genehmigung (40 Jahre Castorsicherheit) hinweist. Es geht also um die Inhalte der Genehmigungen bei der „Transparenz“ - nicht um die lapidare Feststellung der Behörde „... ist genehmigt ...“ wie dies bei bisherigen Anfragen der Fall war, siehe:

www.kreis-bergstrasse.de/staticsite/staticsite.php?menuid=311&topmenu=6

Auf genau diesen Widerspruch ziehen unsere Fragen!

Mit freundlichen Grüßen
Ingo Hoppe


Hier nun die umfangreiche Sammlung zu diesem Thema, das viel zu wenig Beachtung findet im momentanen "zivilgesellschaftlichen" Rauschen bei der sog."Endlagersuche":

Hochradioaktiver Atommüll: Wie lange hält der Castor dicht? USA haben nachgesehen

http://umweltfairaendern.de/wp-content/uploads/2015/11/Castor-Vattenfall-Zwischenlager-Brunsb%C3%BCttel.jpg

Die Zwischenlagerung hochradioaktiver Atomabfälle wird deutlich länger als die bislang genehmigten 40 Jahre dauern. Für diesen Zeitraum haben staatliche Stellen und Gutachter den zur Zwischenlagerung eingesetzten Castor-Behältern Sicherheit attestiert. Das meint: Die Behälter bleiben dicht, die Einbauten und die Brennelementehüllen stabil. Doch was tatsächlich mit und in solchen Castorbehältern passiert, ist kaum bekannt. Bislang gibt es nur sehr wenige reale Untersuchungen, die Auskunft darüber geben können, ob Annahmen und Rechenmodelle mit der Realität übereinstimmen – oder nicht. Nachgesehen wurde bislang kaum. Ein mit abgebrannten Brennelementen beladener Castor ist 2000/2001 nach einer Lagerzeit von 15 Jahren in den USA geöffnet und untersucht worden. In Deutschland werden nicht nur abgebrannte Brennelemente, sondern auch hochradioaktive Glaskokillen zwischengelagert.

In Deutschland wird die Zwischenlagerung erst seit Mitte der 2000er Jahre als Standardmodell betrieben. Vorher wurden die bestrahlten Brennelemente aus den Reaktoren zur Wiederaufarbeitung transportiert. Zurück kam hochradioaktiver Müll, der in Glaskokillen eingeschmolzen wurde und vor allem in Gorleben zwischengelagert wird. In den letzten Jahren ist klar geworden, dass die Zwischenlagerung hochradioaktiver Atomabfälle weit über die bislang genehmigten 40 Jahre hinaus dauern wird. Einige Fachleute sprechen sogar von möglichen 100 Jahren, die die hochradioaktiven Brennelemente bzw. Glaskokillen oberirdisch in ihren Castoren verbleiben und erst dann – vermutlich in andere Behälter verpackt – in einem Untertage-Lager versenkt werden können.

umweltfairaendern.de/2017/08/hochradioaktiver-atommuell-wie-lange-haelt-der-castor-dicht-usa-haben-nachgesehen/