Die Diskussion um die Reparaturmöglichkeiten von Castoren – angesichts der zu erwartenden Einsatzzeit von bis zu 100 Jahren in den Zwischenlagern – wird nun endlich geführt.

Das hessische Umweltministerium (Frau Petrick) ist ja auf der letzten Sitzung des sog.“Infoforums für Transparenz & Bürgerbeteiligung“ am 14. 8. nach der Einrichtung von sog.“Heissen Zellen“ gefragt worden. Sie antwortete (zum wiederholten Male), dass diese nicht nötig seien, weil man bei beschädigten Dichtungen einen Überdeckel aufbringen könnte. Diese Aussage stand im übrigen NICHT im Protokoll – ein Schelm der Böses dabei denkt !

Nun gibt es neue Disskussionen:
Während der BUND die „Heissen Zellen“ fordert, wird in der AntiAtomBewegung an den Zwischenlager-Standorten deren Notwendigkeit gerade diskutiert:

  • da es sich dabei um neue „atomtechnische Anlagen“ handelt, muss man generell dagegen sein ...
  • die Befürchtung eines sog.“Rekritikabilitäts-Problems“ (d.h. dass es innerhalb der Castoren zu einer Kernschmelze kommen könnte), wird zurückgewiesen ...
  • andere Aufgaben bzw. Forderungen bei der Sicherung der Castorlager hätten weit größere Bedeutung (Schutz vor Flugzeugabstürzen und Erdbeben bzw. terroristischen Abgriffen) hatten Vorrang vor der Frage der „heissen Zellen“ (stimmt !) ...
  • „Heisse Zellen“ einzurichten ist überaus teuer, weswegen eine solche Forderung auf alle Fälle verfrüht ist und später in Verbindung mit „mobilen heissen Zellen“ (auch einsetzbar bei Unfällen bei Castortransporten) immer noch gestellt werden könnte.

Andererseits kann man nicht davon ausgehen, dass vielleicht in 20 Jahren der Staat mehr Geld für die Hinterlassenschaften einer menschenverachtenden Technologie (deren Verantwortung er ja den Betreibern pauschal für 24 Milliarden € abgenommen hat) auszugeben bereit ist. Die sture Weigerung der Behörden, die Forderung überhaupt ernsthaft zu prüfen, weist genau in diese Richtung.

Was haben wir also jetzt:
Auf der einen Seite die BUND-Forderung und deren Unterstützer; auf der anderen Seite eine NO-Front unterschiedlichsten Herkommens:

  1. die behördlichen Vertreter des Atomstaates (auch in Hessen „grün“ geführt)
  2. Autonome, denen jede entsprechende atomare Einrichtung zuwider ist ...
  3. Sozis, die der Argumentation des Dr.Moormann, Aachen folgen (siehe dessen ausführlichen Artikel im „Strahlentelex“, insb. ab S.5 - sehr lesenswert für wissensbeflissene Leute) ...

pdfStx_17_738-739_S01-07.pdf

Ich, dem diese ganze Rückbau-Zirkus schon lange nicht mehr passt und der inzwischen seine Meinung zum Thema „Rückbau zur >Grünen Wiese<“ versus „Sicherer Einschluss“ generell geändert hat, bin auf der Seite des BUND, sehe diese Diskussion allerdings als typisch an für eine AntiAtomBewegung, die in dieser Frage irgendwie auf die Position des Atomstaates einschwenkt ... nämlich erst mal nix zu fordern ... alla da !

Für den „Sicheren Einschluss“ spricht übrigens, dass im Kontrollbereich eines AKW genuin eine „Heisse Zelle“ vorhanden ist bzw. abgetrennt werden kann und auch das gesamte Inventar des Castorlagers darin verbleiben könnte ... aber das würde

  1. alle Genehmigungen hinfällig machen (geht ja gar nicht mit den GRÜNEN ...),
  2. die im WegMit-Biblis beliebte Illusion der „Grünen Wiese“ verscheuchen (geht ja gar nicht mit den SCHWARZEN ...),
  3. das ganze „Freimessungs“- Elend für den Kreis Bergstraße mit einem Schlag lösen (das wär' doch was für die Menschen ...).

Die Ruinen der AKW stünden dann dann da als weithin sichtbare Mahnmale einer verfehlten Energie/Wirtschaftspolitik dieses Atomstaates ... zumindest für die nächsten 100 Jahre !

Das wäre endlich mal eine radikale Forderung, statt dieses planlosen Hin-und Herspringen zwischen Mitmacheritis und Totalverweigerung ... hugh !