AKWende ButtonPresseerklärung vom 2. 1. 2018:

„Freigemessen heißt nicht frei von Radioaktivität”

Mit Kopfschütteln reagiert die Anti-Atominitiative AK.W.Ende Bergstrasse auf Äußerungen von Christian Küppers vom Öko-Institut e. V. in Darmstadt, wonach eine "Nachnutzung von Deponien", auf denen zuvor "freigemessene" und "freigegebene" Stoffe aus dem Abbau von Atomkraftwerken gelagert waren, "ohne Einschränkung" möglich sei. Das RWE-Mitteilungsblatt "hier" berichtet in seiner jüngsten Ausgabe über ein Impulsreferat Küppers' beim letzten Kraftwerksgespräch im AKW Biblis. Während Diplomphysiker Küppers sich bei seiner Feststellung auf die "sichere Einhaltung der gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte" beruft, hält AK.W.Ende Bergstrasse dagegen: "Eine Unterschreitung der Freigabegrenzwerte bedeutet nicht, dass die Materialien und Stoffe frei von Radioaktivität sind."

Wie AK.W.Ende-Sprecher Rainer Scheffler erläutert, "wurde mit der Strahlenschutznovelle von 2001 und dem Prinzip der "Freimessung" nach dem 10-Mikrosievert-Konzept die rechtliche Voraussetzung für die "Freigabe" radioaktiver Stoffe aus der atomrechtlichen Überwachung geschaffen. Anders gesagt: juristisch gesehen sind freigegebene Abbaustoffe nicht mehr radioaktiv - selbst wenn sie (physikalisch) strahlen." Wie AK.W.Ende Bergstrasse weiter schreibt, werden die Stoffe und Materialien nach erfolgter "Freigabe" nach den Bestimmungen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes an Recyclingbetriebe, Müllverbrennungsanlagen oder Deponien abgegeben: "aus Atommüll wird "normaler" Abfall."

Für AK.W.Ende verbietet sich die Nachnutzung (Bebauung, landwirtschaftliche Nutzung u. a.) einer Deponie, auf der Zuvor radioaktiv belastete Stoffe gelagert wurden, schon deshalb, weil die gesetzliche Freigaberegelung u. a. die Kollektivdosis trotz Empfehlung der Internalionalen Strahlenschutzkommission nicht berücksichtigt. "Wenn viele Menschen auch "nur" niedrigen Strahlendosen ausgesetzt sind, erhöht sich die absolute Anzahl von Erkrankungen signifikant. Abgesehen davon gibt es keinen Schwellenwert, unterhalb dessen Radioaktivität nicht schädlich wäre."

Sprecher Rainer Scheffler: "Auch das Öko-Institut stand "Freimessung" und "Freigabe" radioaktiver Abfälle einst kritisch gegenüber. In dem von Küppers mitverfassten "Atommüll-Report" wurde als Konsequenz konstatiert, "dass beispielsweise nicht bilanzierte Mengen radioaktiver Stoffe auf Hausmülldeponien enden, ohne dass noch irgendjemand von deren Gefährlichkeit Notiz nimmt."

Diese und andere Themen diskutiert AK.W.Ende Bergstrasse bei ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr am Montag, dem 08. Januar 2018 ab 19.00 Uhr in der Bensheimer Gaststätte "Präsenzhof", Bahnhofsstrasse. Gäste sind herzlich willkommen.