AKWende ButtonPresseerklärung vom 6. 2. 2018:

Atommüllexport durch die Hintertür?
"Kein Zwischenlager-Konzept für beschädigte Brennstäbe"

Eigentlich ist der Export von Atommüll lt. deutschem Atomrecht verboten. Jetzt aber will der schwedische Energiekonzern Vattenfall 13 beschädigte Brennstäbe aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Brunsbüttel in das schwedische Unternehmen Studsvik Nuclear verbringen, "zu Forschungszwecken", wie Vattenfall erklärte. Und: Die Reste der Brennstäbe werden nach Ende der Untersuchungen in Schweden bleiben. Atommüll-Export ins Ausland trotz Verbots? Für die Anti-Atom-Initiative AK.W.Ende Bergstrasse "nichts Neues. Von 1995 bis 2009 wurden aus der Uranfabrik Gronau/Westfalen als "Wertstoff" umdeklarierte 27 Tausend Tonnen abgereichertes Uran in Form von hochgiftigem Uranhexafluorid ins russische Angarsk zur "Wiederanreicherung" exportiert. Bis heute lagert dieser hochgefährliche Atommüll in teilweise korodierenden Fässern unter freiem Himmel."

AK.W.Ende-Sprecher Rainer Scheffler hat aufgrund der Tatsache, dass sowohl das SPD-geführte Bundesumweltministerium als auch das vom neugewählten Grünen-Chef Habeck geführte zuständige schleswig-holsteinische Energieministerium keine Einwände gegen das Vattenfall-Vorhaben erheben, den Verdacht, dass die Entscheidung "zum Türöffner weiterer Exporte dieser Art werden können." Scheffler: "Für die "Sonderbrennstäbe" genannten beschädigten Brennstäbe gibt es bis heute keine genehmigten Castor-Spezialanfertigungen mit einem zusätzlichen Innenbehälter zur Lagerung in Standort-Zwischenlagern. Auch in Biblis lagern diese "Sonderbrennstäbe" deshalb immer noch im Abklingbecken von Block B. Wir bezweifeln deshalb, dass Block B bis Ende 2018 - so wie von RWE Power vorgesehen - "kernbrennstofffrei" ist. Insgesamt fehlt zudem ein Zwischenlager-Konzept für beschädigte Brennstäbe, das der möglicherweise jahrzehntelangen Lagerung bis zu einem möglichen Endlager Rechnung trägt."


Info-Veranstaltung am 6.2.2018

Biblis-Abbau
Atommüll: verteilt und verharmlost

Zuletzt hatte der Deutsche Ärztetag im Mai 2017 eine Entschließung zur Freigabe radioaktiver Abfälle aus Atomanlagen verabschiedet. In der Begründung dazu heißt es u. a.:

"Als Ärzte weisen wir daraufhin, dass es keine Schwellenwerte für die Unbedenklichkeit von ionisierender Strahlung gibt und auch durch vermeintlich geringe Strahlenmengen gesundheitliche Schäden und Spätfolgen über Generationen entstehen können. In diesem Zusammenhang sind die gesundheitlichen Folgen einer Verteilung von AKW-Restmüll nicht ausreichend geklärt."

AKW-Restmüll: "Es geht um Bauschutt, Metalle, sonstige Reststoffe und Abfälle der AKW's Biblis A und B, beim Abbau anfallende Materialien, die mit Radioaktivität aktiviert oder kontaminiert sind und durch das Verfahren des sog. "Freimessens" und der "Freigabe" gemäß § 29 der Strahlenschutzverordnung aus dem Kontrollbereich des Atomgesetzes entlassen werden können", erläuterte Rainer Scheffler als Referent bei einer gemeinsamen Veranstaltung von AK.W.Ende Bergstrasse und dem Verein "Atomerbe Biblis" e. V. mit dem Titel "Freimessung" und Niedrigstrahlung. Ende der Verharmlosung" in Lorsch. Immerhin seine nach Auffassung von Biblis-Kraftwerksleiter Kemmeter und der Hessischen Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) "bis zu 98 %" der Abbaumaterialien zur "Freigabe" geeignet, so Scheffler.

Allerdings: "Freigemessen" bedeutet nicht, dass das Material frei von Radioaktivität ist. Das der "Freimessung" zugrunde liegende 10-Mikrosievert-Konzept erfüllt keine Schutzfunktion, sondern ist ein willkürlicher Grenzwert, der die Gesamtmenge des Atommülls juristisch vermindern soll", erläuterte der Referent. Die Folge: Abrissmaterial wird aus der Atomaufsicht entlassen und verschwindet ohne weitere Kontrolle über Verwendung und Verbleib in der konventionellen Abfallwirtschaft (Recycling, Müllverbrennung, Deponien).

Nach Auffassung Schefflers muss klar sein: "Zum Schutz von Mensch und Umwelt darf physikalisch radioaktives Material nicht aus der atomrechtlichen Überwachung entlassen werden. Es muss um Risikominimierung gehen, wie von der Strahlenschutz-Verordnung vorgeschrieben. Nicht um Risikoakzeptanz. Atommüll muss Atommüll bleiben!