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Nr. 199 – 20. 11. 2016

Inhalt:

  1. BUND: AKW-Rückbau gefährdet unsere Gesundheit
  2. GRÜNE im Umkreis des AKW Biblis
  3. 150 Jahre Castorlager Biblis
  4. Glaubwürdigkeit?
  5. Werbung ist alles!
  6. Der große Deal mit den AKW-Betreibern
  7. Geschenk für Atomkonzerne
  8. Lesch zum Atommüll
  9. Fukushima-Mahnwache Nr.285

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AKW-Rückbau gefährdet unsere Gesundheit

Heppenheim. Am Samstag (19.) zeigt die Kreisgruppe Bergstraße im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Saalbau-Kino um 16.00 Uhr den Film „Neuer Stress mit alten Kernkraftwerken“. Der Beitrag aus der ZDF-Umweltreihe „planet e“ erklärt, wie der Rückbau eines Atomkraftwerks abläuft und welche Gesundheitsrisiken durch dabei freigesetzte Radioaktivität bestehen.

Atomkraftwerke produzierten bisher mehr als 300.000 Kubikmeter radioaktiven Müll, ohne dass es eine Perspektive für eine sichere Lagerung des strahlenden Abfalls gibt. Die Menge an Atommüll steigt weiterhin, durch den Weiterbetrieb von acht Meilern und durch den Abriss der stillgelegten Reaktoren. Fünf Jahre nach dem Regierungsbeschluss zur Energiewende beginnt die Hochphase des Rückbaus von Atomkraftwerken. Aktuell befinden sich zehn AKWs in diesem Jahrzehnte dauernden Prozess, in dem gewaltige Mengen an Atommüll entsorgt werden müssen. Für den Reaktorblock Biblis A soll im vierten Quartal 2016 die erste Abbaugenehmigung erteilt werden. Der BUND Landesverband Hessen bemängelte ein intransparentes Verfahren, die Unterlagen des Betreibers waren nicht vollständig.

Der größte Teil eines Atomreaktors besteht aus gering strahlendem Beton und Stahl. Diese Anlagenteile werden während des Rückbaus zerkleinert und mit Hochdruckreinigern abgestrahlt, bis sie die in der Strahlenschutzverordnung definierten Grenzwerte unterschreiten. Für diesen Fall erlaubt der Gesetzgeber die Entlassung der Reststoffe und Abfälle in den konventionellen Bereich ("Freigabe"). Freigemessene Materialien können ohne weitere Kontrollen im Straßenbau oder in der Stahlindustrie eingesetzt werden. Abfälle, die nicht fürs Recycling taugen, landen in Mülldeponien oder -verbrennungsanlagen. So besteht das Risiko, dass radioaktive Teilchen über die Luft verteilt werden und durch die Versickerung von Regenwasser ins Grundwasser gelangen können.

Der BUND und andere Umweltverbände setzen sich für neue gesetzliche Grundlagen für den AKW-Rückbau ein. Sie kritisieren den Dosisgrenzwert für die Freimessung als zu hoch und fordern den vollständigen Verzicht auf Freigabe, da es für Radioaktivität keinen Schwellenwert gibt, unterhalb dessen eine Gefahr für die menschliche Gesundheit ausgeschlossen werden kann. Wissenschaftliche Studien belegen, dass auch kleinste zusätzlich freigesetzte Radioaktivität den Menschen schädigt und das Risiko für Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Betroffene können sich nicht schützen, da nicht nachgewiesen wird, wohin das freigemessene Material geht. Sämtliche Materialien aus den Reaktoren sollten stattdessen gesondert und gegen Freisetzungen gesichert aufbewahrt werden. Dies könnte in besonders gesicherten Deponien oder in oberflächennahen Endlagern geschehen. Möglich wäre auch die Lagerung in entkernten Gebäuden früherer Atomkraftwerke oder verbunkert auf deren Gelände. Diese vier Optionen sollten gleichwertig geprüft werden.

Für die Gesprächsrunde nach dem Film erwarten die Veranstalter Dr. Werner Neumann, Atom- und Strahlenschutzexperte des BUND und Mitglied im Vorstand des BUND Hessen, Rainer Scheffler, Sprecher der Menschenrechtsinitiative Bergstraße e.V. und Atomkraftgegner, Moritz Müller von Bündnis 90/Die Grünen und Dr. Bruno Schwarz von den Linken. Bei der Diskussion wird auch die Klage des BUND Landesverbands Hessen gegen die Genehmigung eines neuen Atommülllagers am AKW Biblis zur Sprache kommen. Der Verband will erreichen, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt werden muss.

pdfPlakat: AKW-Rückbau Atommüll

„Hilflosigkeit” ist wohl die treffende Kennzeichnung, für die Haltung der GRÜNEN zu Fragen der Endlagerung des Atommülls und der Kontrolle von RWE bei Rückbau, Zwischenlagerung und Deponierung (nach Freimessung) des immer noch strahlenden Abraums. Dennoch war diese Veranstaltung ein ermutigender Anfang hier im Kreis Bergstraße gewesen, weil auch dem letzten Grünen klar werden musste, dass eine grüne Umweltministerin keines - ich betone keines der Probleme mit den üblen Erbgütern der atomaren Energieproduktion in Biblis lösen wird - schon gar nicht mit dem sog. „Infoforum für Transparenz & Bürgerbeteiligung”!

Hier noch 2 Anmerkungen zur PE:

  1. Die „Castoren” sind nicht (bauart-)zugelassen bis 2046, sondern das Zwischenlager mit seiner Leichtbauhalle, in der die „Castoren” stehen; theoretisch können die Transportbehälter da bleiben, bis sie von der inneren Strahlung zerfressen sind.
  2. „Freimessen” heißt „Entlassung aus dem Geltungsbereich des Atomgesetzes“ nach einer willkürlichen Grenzwertbestimmung (10MikroSievert) mit dubiosen Umrechnungsmethoden (z.B. „Referenznukleid”) und Ignorieren der Neutonen-Strahlung. Studien zur krebsverursachenden Wirkung von sog.„Geringstrahlung” gibt es – z.B. die "Kinderkrebsstudie (KiKK).

Aus der Presseerklärung der GRÜNEN:

Am vergangenen Mittwoch fanden sich rund dreißig Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Restaurant Präsenzhof ein, um mit Ursula Hammann (Bündnis 90 / DIE GRÜNEN), der Vizepräsidentin des Hessischen Landtags und der Vorsitzenden des Landtagsausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, über die Zukunft des Atomkraftwerks Biblis zu sprechen. In einer dreistündigen Diskussion setzten sich die Anwesenden mit den Perspektiven des stillgelegten AKW im Kreis Bergstraße auseinander.

MdL Ursula Hammann betonte einleitend die Verdienste der Grünen im Kampf gegen die Atomkraft, wies aber auch auf die ungelösten Probleme an den früheren Kraftwerksstandorten hin, mit denen sich vor allem die Vertreterinnen und Vertreter des Vereins Atomerbe Biblis und der Initiative AK.W.Ende kritisch auseinandersetzten.

Trotz des großen Gesprächsbedarfs herrschte in Bezug auf die völlig ungeklärte Endlagerfrage und die gefährliche Option eines hochgefährlichen atomaren Zwischenlagers, das in unserem Landkreis bis zu 150 Jahre bestehen bleiben könnte, Übereinstimmung. Die Anwesenden wiesen kritisch darauf hin, dass die Castoren, als Transportbehälter gedacht, nur bis 2046 zugelassen sind und dass es bislang keine großtechnisch verfügbaren Möglichkeit für ihre Kontrolle und Wartung gibt („Heiße Zellen“). Außerdem sei die Problematik der Sonderbrennstäbe mit extrem hoher Radioaktivität ungelöst, Schacht Konrad biete auf absehbare Zeit keine Lagermöglichkeiten für die riesigen Mengen von Atommüll mit geringer Wärmeentwicklung. Des Weiteren wurde die Abschirmung gegen Angriffs- und Absturzbedrohungen als unzureichend befunden. Einen „Feldversuch am Menschen“ nannte dies ein Diskussionsteilnehmer.

Dass sich der Staat von den Energieerzeugern für gut 23 Milliarden Euro die Verantwortung für den Atommüll zuschieben ließ, verurteilte auch Hammann als „Abkehr vom Verursacherprinzip“. Unabsehbare Kosten für End- und Zwischenlagerung kämen nun auf die Bevölkerung zu.

Uneinigkeit bestand beispielsweise in der Einschätzung der Risiken von „frei gemessenem“ schwach radioaktivem Abfall, der nach Auffassung der Kritiker nicht als „unbedenklich“ etikettiert auf Hausmülldeponien verbracht werden dürfe.

Mehr grünes Engagement gewünscht

Von Ursula Hammann forderten die Atomkritiker aus der Region vor allem bessere Arbeits- und Informationsbedingungen bei den Informationsforen in Biblis. Enttäuscht waren viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von den unklaren bzw. fehlenden Antworten von Regierungsvertretern und RWE in Biblis: „Hier erwarten wir von den Grünen in Regierungsverantwortung eine deutlichere Position!“

Biblis: Zwischenlager und Castoren: Auf Dauer sicher?

Presseerklärung zur gemeinsamen Veranstaltung von AK.W.ENDE und MenschenrechtsInitiative am 16. 11. 2016 in Bensheim:

„Ewig“, antwortete Kraftwerksleiter Kemmeter vor einem Jahr einer Besuchergruppe des Standort-Zwischenlagers am AKW Biblis auf die Frage, wie lange denn die Brennelemente in den Castor-Behältern lagern könnten. Für den Menschenrechtler und Atomkraftgegner Rainer Scheffler „zynisches Gerede“ vor dem Hintergrund eines Zeitplans, den die Endlager-Kommission des Bundestages im Sommer mit ihrem Abschlußbericht veröffentlichte. Danach ist mit der Entscheidung für einen Endlager-Standort frühestens 2058 zu rechnen. Eine mögliche Einlagerung des hochradioaktiven Atommülls soll „ab 2117 oder später“ erfolgen. „Damit wird klar, dass das Standort-Zwischenlager in Biblis zum „Dauerlager“ wird – mit allen Gefahren und Risiken“, konstatierte Scheffler bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Bürgerinitiative AK.W.ENDE Bergstrasse und der MenschenrechtsInitiative Bergstrasse e. V. / MIB.

Niemand könne heute aufgrund fehlender praktischer Tests über längere Zeiträume mit hochradioaktivem Inventar sagen, wie lange die ursprünglich als Transportbehälter konzipierten Castoren ihre Dichtigkeit behalten und welche Folgen etwa die Versprödung der Castor-Innenbehälter durch permanenten Neutronen-Beschuß auf Dauer haben wird. Eine Entladung oder Reparatur sei nur in speziellen Konditionierungsanlagen („heisse Zellen“) möglich, die aber weder in Biblis noch anderswo existieren. Vor dem Hintergrund des Zeitplans und der Tatsache, dass die Kommission den Salzstock Gorleben weiterhin als mögliches Endlager ansehe und auch namentlich nenne, sehen AK.W.ENDE und MenschenrechtsInitiative „die große Gefahr, dass man trotz neuer Studien und fachlicher Einwände unabhängiger geologischer Gutachten, die u.a. ein fehlendes Deckgebirge, potentielle Durchlässigkeit für Flüssigkeit, Gasvorkommen und geologische Störungen und Veränderungen über lange Zeiträume nennen, aus Zeit- und Kostengründen auf Gorleben als Endlager zurückgreift. Das wäre verheerend, weil es um eine Million Jahre Sicherheit geht.“

Die Frage eines Zuhörers zum Ende der Veranstaltung, die die Organisatoren als Auftakt zu einer Informationsreihe verstehen, betraf den Katastrophenschutz. Nach der Katastrophe von Fukushima ließ das zuständige Bundesamt für Strahlenschutz prüfen, ob die Katastrophenschutzpläne hierzulande überarbeitet werden müssten. Von einer Umsetzung entsprechender Empfehlungen in Hessen sei nichts bekannt, so AK.W.ENDE und MenschenrechtsInitiative. „Vor dem Hintergrund einer Dauerlagerung von hochradioaktivem Atommüll und des in naher Zukunft beginnenden AKW-Rückbaus in Biblis mehr als grob fahrlässig.“

Rainer Scheffler

... der Konzerne war gestern !

Eigentlich lügen und betrügen sie ja immer schon – das gehört zu ihren Geschäftsmodellen (ob Banken, Strom-oder Autokonzerne). Sie behaupten natürlich das Gegenteil, gerieren sich superkorrekt & seriös. Wenn Banken bei krummen Immobiliengeschaften erwischt werden, dann ist der Glaube der Kunden, Konsumenten, Klienten (und wie die arbeitenden Menschen so schön kuschelig wie falsch) bezeichnet werden, nicht unbedingt perdü – man merkt nicht unmittelbar, dass man als Steuerzahler den angerichteten Schaden mit Abermilliarden Euro auffangen darf. Anders bei der Deutschen Allerliebsten:

Ob VW, Audi, Benz und BMW - alle habe die Leute massiv beschissen (für 450€ opro Jahr durchschnittlicher Mehrverbrauch hieß es gestern in der Tagesschau) - die Werker können nix dafür, die Manager dürfen vielleicht etwas von ihren Millionen-Boni zurückzahlen, behalten aber ihre horrenden Einkommen auch weiterhin ...

Extra3

Wie ist das nun mit den Energiekonzernen, den ehemaligen Stadtwerken, die die sPD-Granden samt ihrem sPD-hörigen Personal durch Privatisierung profitfähig gemacht haben ?

Allein für den Ausbau der Atomkraft haben sie 3-stellige Milliardensummen kassiert, haben mit der Lüge vom billigen Atomstrom Jahrzehnte lang pro Meiler täglich ca. 1 Million Rohgewinn eingefahren.

Jetzt, wo ihnen diese Pfründe nach dem Super-GAU von Fukushima abhanden gekommen sind, jammern sie rum und versuchen über die Gerichte weiter Knete zu generieren. Die Brennelementesteuer läuft netter Weise aus; ihre Tricksereien damit hat neuen gefährlichen Atom- geschaffen (Sonderbrennstäbe), der noch nicht mal ordentlich verpackt werden kann. Die Atommüll-Finanz-Kommission unter dem Herrn Trittin hat ihnen Zwischen- und Endlagerung abgenommen ("Verursacherprinzip" - adé); RWE wird dann wohl als Subunternehmer einer staatlichen Gesellschaft die Castoren auch im Zwischenlager beim AKW Biblis für ordentlich Cash bewachen & beschützen dürfen ...

Die nächste Sitzung des sog."Infoforums für Glaubwürdigkeit & Bürgerbeteiligung" (so nannte das mal die Erfinderin - Frau Hinz von den hessischen GRÜNEN; z.Zt Umweltministerin in Wiesbaden) findet am 22..11. in Biblis statt. Der TOP6 ist wieder mal "Märchenstunde" und lautet:

„Kraftwerk Biblis Transparent – Information der RWE”

als würde es nicht reichen, wenn die Beamten, die auch schon einst dem CDU-geführten Umweltministerium treu gedient habe, die Sache von RWE treu & brav vertreten würden. Der RWE-Vertreter (namentlich AKW-Chef Kemmeter - Zitat: "die Castoren halten ewig") werden das hohe Lied auf die Sicherheit singen, wohl wissend, dass sie längst ihre satten Pensionen bzw. Ruhegelder verfrühstücken, wenn die Castoren von der Neutonenstrahlung in den nächsten 100 Jahren zerfressen sind. Über "Rückbau für lau" werden wir auch nur Beruhigungspillen verabreicht bekommen - also: Glaubwürdigkeit war gestern !... mal sehen, was uns die Presse dazu servieren wird ...

Infoforum AKW Biblis