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Nr. 200 – 1. 12. 2016

Widerstand gab es gegen das AKW Biblis schon in den 1970er Jahren. Der Bau eines weiteren Blocks (C) konnte so verhindert werden. Nach dem "sPD-grünen" Atomkompromiss mit den AKW-Betreibern (fälschlicherweise "Atomausstieg" genannt) wurde es ruhiger um die "Gurkenmetropole" im Ried. Erst die Laufzeitverlängerung" der cDU-Kanzlerin Merkel fachte den Widerstand erneut an und so wurde im Oktober 2009 "AK.W.ENDE Bergstraße" gegründet. Bald gab es die ersten Rundbriefe - heute schreibe ich an der Nr. 200 ... und bin schon ein wenig stolz auf die letzten 7 Jahre ...

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pdfRundbrief Nr.1 - 14.12.2009.pdf

es war viel los: die "Umzingelung" des AKW mit 20.000 Menschen und die Fukushima-Kundgebung mit ebenso vielen Demonstran*innen in Biblis. Darüber hinaus vielfältige Infostände, Mahnwachen, Veranstaltungen ... Allen Beteiligten und Unterstützern sei herzlich gedankt dafür ...

Heute - durch dem neuerlichen Schein-"Ausstieg" nach dem Super-GAU von Fukushima ist es wieder ruhiger in der Region Bergstraße, auch dank des Management von "grünem" Umweltministerium (gemeinsam mit der RWE-Charmeoffensive) mittels des sog."Infoforums für Transparenz & Bürgerbeteiligung" (O-Ton Hinz). Rückbau & Zwischenlager voll im Griff - das ist deren Botschaft - dabei beginnen die Probleme mit dem Atommüll erst ...
Wir sind nur noch wenige ... und leider zerstritten - ganz schlecht für die Bewegung ...
was einige "Partei"-Gänger mit ihrer Vereinsmeierei davon haben werden, das wird sich noch erweisen.
Aber es ist noch viel "Glut unter der Asche" ... da hineinblasen - das will ich auch weiter tun mit meinem Rundbrief ;o)

Inhalt:

  1. Muppet-Show in Biblis
  2. Journalismus
  3. Castor-Alarm 2017
  4. AKW Gundremmingen 2017
  5. Strahlenschutzgesetz
  6. Atommüll - nix erledigt
  7. Tsunami
  8. Fukushima-Mahnwache Nr.286

Rundbriefe Header

Am 22. 11. 2016 fand die 9.Sitzung des sog."Infoforums für Transparenz und Bürgerbeteiligung" statt. Hier ein "Kurzbericht", weil von den Ergüssen von RWE & Atomaufsicht nicht viel zu berichten ist:

RWE-Kemmeter bleibt dabei: die Castoren sind "ewig sicher"; Sonderbrennelemente aus "Steuersparmodellen" gibt es nicht, nur reparierte Brennstäbe, die aber in V19-85-Behältern untergebracht sind; Block A ist seit heute brennstofffrei - er ist stolz und nimmt eine Flasche Sekt entgegen ... Auf Nachfrage: Castoren haben "Zulassungsbefristung" - wie lange, weiß er gerade nicht und guckt die Behördenvertreterin (Frau Petrick) an. Die tut so, als sei die Frage doch irgendwie blöd, weil man ja schließlich ein "Überwachungssystem" in der Castorhalle installiert habe. Für Reparaturen braucht man ihrer Meinung nach auch keine "heißen Zellen", weil man einen undichten Deckel (und nur das wäre eine mögliche Problematik (?) auch mit einem Überdeckel versehen kann (sozusagen nach dem "Matroschka-Prinzip" - würde ich das nennen ...); das kann im Standortzwischenlager problemlos erledigt werden; ansonsten ist - wie immer alles bestens geregelt zwischen RWE und Behörde bei der Vorbereitung des Rückbaus Meine Frage nach dem Zusammenhang von Rückbau und Zwischenlagern versteht sie nicht - es ging mir um Transporte; Großkomponenten wie Dampferzeuger, Einrichtungen für Dekontamination und freimess-Anlagen. Die Lager seien im übrigen Bundesangelegenheit (BfS), der Rückbau und seine Aufsicht Ländersache; die Genehmigungen (Block A noch in diesem Jahr, Block B im Februar 2017) sind so gut wie fertig; Mißtrauen gegenüber der Kontrollfunktion durch TÜV Nord/TÜV Süd hat sie nicht ... So haben sich die beiden (RWE und "Atomaufsicht") die Bälle zugespielt - nach knapp 1 1/2 Stunden war die Show für "Transparenz & Bürgerbeteiligung" schon wieder vorbei ...

Meine letzte Frage (unter "Verschiedenes" im beginnenden Aufbruch) ging an die Politik, dass doch der frühere Landrat von der CDU das Zwischenlager für so gefährlich hielt, dass er sogar seine Bauern mit Traktoren vor das Tor des AKW beordert hat mit dem Ziel "ab nach Gorleben". Ist es jetzt nicht mehr gefährlich, da es ja nun noch über 100 Jahre weiter bestehen bleiben muss ? Das konnte nicht beantwortet werden: CDU/SPD/GRÜNE-Mitglieder des Gremiums hatten Landtags-Sitzung (Vertreter offenbar nicht vorhanden); CDU-Bürgerrmeister und SPD-Kreisbeigeordneter dürfen zwar der (mangels Beteiligung nicht beschlussfähigen) Veranstaltung vorsitzen, aber eine Meinung zu dieser wichtigsten Frage haben sie (natürlich) nicht.

Fazit: Das war die bisher sinnfreieste Vorführung politischen Unwillens seit Erfindung dieses sog."Forums für Transparenz & Bürgerbeteiligung" durch die grüne Umweltministrin - RWE wird's gefreut haben ...

Alle sind zufrieden ... und man kriegt fast ein schlechtes Gewissen, im Zusammenhang mit AKWs von Krebs, Unfällen, Korrosion,Korruption, Betrug und Gleichgültigkeit zu sprechen - alle sind glücklich und zufrieden, schlürfen Schampus, ob des gelungenen Termins  ... und feiern sich selbst als cDU/sPD/Grüne-Zivilgesellschaft:

Ministerin Hinz: „Der Rückbau rückt näher“

www.morgenweb.de/region/bergstrasser-anzeiger/region-bergstrasse/ministerin-hinz-der-ruckbau-ruckt-naher-1.3051870

übrigens: Der Landrat Wilkes war ja nur deshalb so vehement gegen das Castor-Lager, weil der strahlende Atommüll ja nach Gorleben sollte:

Neues Lager für Atommüll

www.morgenweb.de/region/sudhessen-morgen/biblis/neues-lager-fur-atommull-1.3053875

Der Abriss-Bescheid kann kommen

Kernkraftwerk Biblis Betreiber RWE fühlt sich gerüstet, sieht sich aber weiter heftiger Kritik ausgesetzt

www.echo-online.de/lokales/bergstrasse/biblis/der-abriss-bescheid-kann-kommen_17492403.htm

Ein Leserbrief:


Leugnen, Abwiegeln, Verharmlosen

Die jüngste Sitzung des Informationsforums zum Rückbau der AKW's in Biblis vom 22. November macht einmal mehr deutlich, welche Funktion dieses offenbar auch von seinen Mitgliedern kaum noch wahrgenommene Gremium (schon die Terminplanung scheint fast unüberwindliche Probleme zu bereiten) von Seiten der Biblis-Betreiberin RWE und des Initiators Hessisches Umweltministerium zu erfüllen hat: der Biblis-Rückbau soll möglichst geräuschlos vorbereitet und nach Erteilung der Stilllegungs- und Abrissgenehmigungen durchgeführt werden. Risiken und Gefahren werden geleugnet, abgewiegelt oder verharmlost.

Nur wenige Tage zuvor führte der BUND Bergstrasse eine Informationsveranstaltung zum Rückbau von Atomkraftwerken mit anschliessender Diskussion durch - und machte deutlich, was "Transparenz und Bürgerbeteiligung" wirklich bedeutet. Jenes Etikett, dass das "grün" geführte Hessische Umweltministerium "seinem" Informationsforum zu Anfang verpasste. Kraftwerksleiter Kemmeter hingegen durfte bei der jüngsten Forumssitzung erneut seine durch keine Studie belegte Behauptung von der "ewigen" Sicherheit der Castorbehälter wiederholen, räumte allerdings eine "Zulassungsbefristung" ein, deren Dauer ihm jedoch unbekannt ist. Auch die Sonderbrennstäbe mit "hoher Zerfallsaktivität" kennt er und offenbar auch die "Kontrollbehörde" Hessisches Umweltministerium nicht. Wohl, weil das Ministerium es 2010 wenngleich unter Führung des jetzigen Koalitionspartners stillschweigend duldete, dass RWE (und alle anderen Atomkonzerne bundesweit) auch nur schwach abgebrannte Brennelemente auswechselte, um die von schwarz-gelb im Bund ab 2011 eingeführte Brennelemente-Steuer zu sparen.

Von den ausgewechselten Brennelementen dürfen aufgrund höherer Zerfallsaktivität weniger als üblich in Castor-Behälter verladen werden. Ein Problem dabei u. a.: es werden mehr Castoren gebraucht als ursprünglich geplant. Zur Zeit stehen etwa 300 Castor-Behälter V19 zur Verfügung, von denen ca. 200 älterer Bauart sind. Nur etwa 40 Behälter erfüllen die aktuellen Bestimmungen der internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Die Produktionskapazität des Castor-Herstellers GNS (eine 100-%ige Tochter der Atomkonzerne) liegt bei jährlich etwa 60 Castoren. Nach Stilllegung aller deutschen Atomkraftwerke 2022 werden mindestens 1900 Castor-Behälter für hochradioaktiven Atommüll benötigt. Und diese Zusammenhänge will man nicht kennen? Wahr ist wohl eher, dass die Verantwortlichen aus Atomindustrie und Politik die Bevölkerung über das gesamte Ausmaß des jetzt deutlich werdenden Atommüll-Desasters weiterhin im Unklaren lassen wollen.

Rainer Scheffler

Ich bin heftig für mein Journalisten-Bashing im letzten Rundbrief heftig kritisiert worden – von wegen "undifferenziertem Rundschlag" ... und natürlich haben die Kritiker recht! Nur angesichts dieses Gefälligkeits-Artikels zum Thema "Freimessen" (hier war es ein Sack Biodünger - in Biblis alleweil ein Granitbrocken vom Felsenmeer) kann man sich schon mal in Rage schreiben – ich gelobe Besserung ;o)

Dass es auch ganz anders geht - hier ein Artikel aus der Schweiz; klar, deutlich, sachlich:

Was passiert mit dem ganzen Atommüll? Das müssen Sie wissen

Werden die fünf Schweizer AKW stillgelegt, beginnt der lange und teure Rückbau. Wie viel kostet das, wie viel Müll muss entsorgt werden – und wer bezahlt? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

www.tageswoche.ch/de/2016_47/schweiz/735007/Was-passiert-mit-den-zigtausend-Tonnen-Atomm%C3%BCll-Das-m%C3%BCssen-Sie-wissen.htm

und auch zum Thema:

www.swissinfo.ch/ger/der-nachlass-der-kernkraftwerke_nach-dem-atomausstieg-bleiben-berge-von-nuklearen-abfaellen/42604240?&ns_mchannel=rss&srg_evsource=rss

Was ich von der "grünen" Partei halte – im allgemeinen und auch speziell in der AntiAtom-Frage – dürfte hinlänglich bekannt sein. Frau Hinz in Hessen und ihre eilfertige Vorab-Zustimmung für Castor-Transporte aus Sellafield ins Bibliser Zwischenlager ist schon ein "Starkes Stück" für eine Partei, die sich selbst einstmals AntiAtom-Partei genannt hat – was jetzt von der Kretschmann-Regierung In Baden-Württemberg in Szene gesetzt wird, ist noch eine Steigerung der Unterstützung der Atomkonzerne.

Es wird wohl nötig sein, bald mal wieder zur Blockade aufzubrechen ... auf geht's in ein kämpferisches 2017 ... ;o):

Vorbereitungen für riskante Castor-Transporte laufen

Mit Hochdruck arbeitet der Energiekonzern EnBW an den Vorbereitungen für die Überführung von 15 Castor-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll aus dem AKW Obrigheim ins Zwischenlager am AKW Neckarwestheim. AtomkraftgegnerInnen lehnen diese „Billiglösung“ wegen hoher Risiken ab.

www.ausgestrahlt.de/blog/2016/11/28/vorbereitungen-fur-riskante-castor-transporte-lauf/

... und immerzu & immer wieder die selben Sprüche:
"Das Schiff ist unsinkbar" (EnBW), "Castoren sind ewig dicht" (RWE) ... und "die Erde ist eine Scheibe"

Mehr Atommüll für Neckarwestheim

Ein Schiff wird kommen

Die EnBW will Atommüll aus Obrigheim auf dem Schiffsweg nach Neckarwestheim bringen. Das wurde am Montag bekannt. Es wäre der erste Transport dieser Art in Deutschland. Schon am Tag der Bekanntgabe gab es Protest.

www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/enbw-praesentiert-plaene-fuer-castortransport/-/id=1622/did=17634638/nid=1622/ussugg/index.html

Kein CASTOR-Transport von Obrigheim nach Neckarwestheim!

www.neckarwestheim.antiatom.net/blog/1299-kein-castor-transport-von-obrigheim-nach-neckarwestheim

www.neckarwestheim.antiatom.net/blog/1293-castor-transport-auf-dem-neckar

pdf161007-kein-castor-obrigheim-neckarwestheim.pdf

Raimund Kamm vom "Forum" – der BI in der Region um das AKW Gundremmingen schreibt:

Wir streiten für das Abschalten auch von Block C spätestens 2017. Block B verliert ja nach geltendem Recht Ende 2017 seine Betriebsgenehmigung.

Uns treibt um, dass beide Blöcke nicht ausreichend sicher sind. Vermutlich erfüllen sie nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebene Störfallsicherheit. Das bedeutet, für bestimmte nicht ausgeschlossene Störfälle, ist für die vorhandenen Notkühlsysteme nicht nachgewiesen, dass sie dann ausreichend sicher funktionieren. Dieser Nachweis war vermutlich nur durch Prüfung bestimmter Teile während des Baus möglich. Jetzt nachträglich kann man die verbauten Teile nicht mehr prüfen, ob sie im Fall des Falles die Notkühlung sicher garantieren.

Auch ist der Reaktordruckbehälter (RDB) schlecht konstruiert. Die Bodenkalotte ist an die Seitenwände an einer Stelle angeschweißt, wo bei bestimmten Störfällen im RDB die Hauptdruckwelle auftrifft. Und dann kann dort der RDB aufreißen, was katastrophale Folgen hätte.

Die beiden Gundremminger Blöcke sind die letzten Siedewasserreaktoren Deutschlands. Von früher 10 Siedewasserreaktoren in Deutschland wurden acht bereits stillgelegt. Nur noch die zwei In Gundremmingen sind in Betrieb. Siedewasserreaktoren haben im Unterschied zu den viel häufiger gebauten Druckwasserreaktoren nur einen Hauptkreislauf. Waren so auch billiger zu bauen. Allerdings liegen die Abklingbecken zwar im Reaktorgebäude aber werden nicht durch den Sicherheitsbehälter (Containment) umschlossen. Bei den Siedewasserreaktoren müssen auch die Steuerstäbe von unten in den Reaktor gepresst und im Notfall geschossen werden (Beim Druckwasserreaktor hingegen werden sie von oben mit der Schwerkraft in den Reaktor gefahren).

Beide Gundremminger Blöcke sind Baulinie (19)72. Sie wurden also in den 1960er- und 1970er Jahren entwickelt. Zum Vergleich: Autos, die damals entwickelt wurden, haben kein ABS, haben keine Sicherheitsgurte, keine stabile Fahrgastzelle plus Knautschzonen, ... Das sind alles Techniken, die erst bei Störungen und Unfällen wichtig werden.

Bisher haben uns insbesondere die bundesweite Aktionsgruppe ausgestrahlt sowie die GRÜNEN im bayerischen Landtag und im Bundestag ihre Unterstützung zugesagt. Auch Greenpeace will was machen.

Und immer wieder sich ins Bewußtsein rufen: Das AKW Gundremmingen erzeugt zwar seit 1984 den gefährlichsten Müll, den man sich vorstellen kann und der zum Abklingen 1 Million Jahre sicher isoliert werden muss, hat aber bis heute noch kein Kilo entsorgt. In jedem Block werden täglich rund 75 Kilo neu erzeugt. In diesem täglichen Atommüll steckt mehr Radioaktivität als in allen 126.000 Atommüllfässern in der Asse zusammen.

Für die Stromversorgung ist übrigens das AKW Gundremmingen schon längst entbehrlich.

... und das schreibt einigermaßen korrekt & wohlwollend die Presse:

Forum: Auch Block C schon 2017 abschalten

"Energie Kamm" startet Angriff auf Abgeordneten und plant Öffentlichkeits-Kampagne (...)

www.augsburger-allgemeine.de/dillingen/Forum-Auch-Block-C-schon-2017-abschalten-id39738542.html